18.5.14

[ #fotografie ] Die Befreiung der Fotografie von der Malerei.

1918 gibt Moholy Nagy nach dem Abschluss des Jura-Studiums die Juristerei auf und lebt als Maler. 

Schon früh tritt er in Ungarn als Gründer der Künstlergruppe "Ma" hervor, geht dann nach dem Scheitern der Revolution 1920 nach Berlin, wo Gropius auf ihn aufmerksam wird und ihn 1923 ans Bauhaus beruft. Dort leitet Moholy-Nagy die Metallklasse, beschäftigt sich allerdings nebenbei mit sämtlichen anderen Bereichen der Gestaltung und ist auch hier einflussreich tätig. Seine Ideen veröffentlicht der Künstler in der Reihe der Bauhausbücher, z.B. "Malerei, Fotografie, Film" (1925).

Für den Fotohistoriker Herbert Molderings beginnt diese Geschichte der modernen Fotografie mit diesem Buch:
"Sein Verdienst besteht darin, dass er in diesen spielerischen Verfahren die künstlerischen und gestalterischen Möglichkeiten vollständig erkannt hat. In der Tat war es so, dass im Grunde sämtliche Tricks, sämtliche Techniken, die in der neuen Fotografie zur Anwendung kamen, wie die extremen Perspektiven, von unten gesehen, von oben gesehen, wie der Negativabzug, die Fotografie ohne Kamera, wie die Fotomontage und viele andere Verfahren als rein spielerische Übungen zwischen 1890 und 1920 praktiziert worden sind. Außerhalb der offiziellen Fotografie und vor allem außerhalb dessen, was man in der Fotografie als Kunst akzeptierte. In der Fotografie als Kunst hat man um 1900 bis 1920-25 nur die weichzeichnende , impressionistische Fotografie, die die Malerei nachahmte, akzeptiert, aber nicht solche amateurhaften Spielereien. Moholy-Nagy hat in diesen optischen Spielereien das gestalterische Potential erkannt und hat sie dann, gemeinsam mit den naturwissenschaftlichen Verfahren, zum Ausgangspunkt einer neuen Ästhetik gemacht."

Funktionalität. Die Ansprüche des technischen Zeitalters und seiner neuen Medien führen Moholy-Nagy so zu einer funktionalen Nutzung der Abstraktion, welche er in allen Bereichen der Gestaltung aufzuzeigen vermag und die ihn durch unterschiedliche Phasen des Experimentierens schickt. Sein vielseitiges künstlerisches Schaffen reicht dabei von der Malerei über die Fotografie, Film, Design und Bühnenbildnerei bis hin zu Fotogrammexperimenten, welche wegbereitend für die Lichtkunst und die kinetische Kunst sind.

Mit Gropius verlässt Moholy-Nagy 1928 das Bauhaus und arbeitet als Bühnenbildner, Ausstellungsgestalter, Typograph und Filmemacher in Berlin. In den folgenden Jahren arbeitet er als Bühnenbildner für Piscators Volkstheater und die Staatsoper 1934 muss er emigrieren, ist zunächst in Amsterdam, dann in London, bis er 1937 in die USA emigriert und dort in Chicago das "New Bauhaus" leitet. 1938 eröffnet der Künstler in Chicago sein eigenes Institut, die "School of Design", die er in den folgenden Jahren um die Fächer Ökonomie, Psychologie und Informationstheorie erweitert. 1946 stirbt Moholy-Nagy nach einjähriger Krankheit.

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