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14.1.16

[ #aktionskunst ] Bed-In: Der Frieden im Bett

Besonderes Aufsehen erregten John und Yoko mit ihrem "bed-in", einer Demo nicht nur gegen den Vietnamkrieg. John und Yoko liegen im Bett, umgeben von Blumen, Plakaten und Kameras. Sie demonstrieren in Interviews und Talksendungen sämtlicher bekannter Fernseh- und Radiosender für Liebe und Frieden auf der Welt. 

Die "Bed-ins" begannen in den Flitterwochen in Amsterdam (ein einwöchiges Bed-In nach der Hochzeit am 20.3.1969 in Gibraltar). Später äußerte sich Lennon dazu: "Als wir heirateten, wussten wir, dass unsere Flitterwochen sowieso öffentlich sein würden, also beschlossen wir, sie zu nutzen. Unser Leben ist unsere Kunst. Das war das Bed-In. Wir saßen im Bett und redeten mit den Reportern.


Es war urkomisch. Im Endeffekt machten wir einen Werbespot für den Frieden...". Eine weitere Woche in Montreal folgte, während die dritte an einer fehlenden Einreisegenehmigung auf die Bahamas scheiterte. Im Rahmen ihrer Friedenskampagne gaben Lennon und Ono auch ein Interview in einem Sack und nannten die Aktion Bagism. Das Hilton-Hotel in Amsterdam hat realen Nutzen daraus gezogen: Es vermietet eine "John & Yoko Suite" in der seinerzeit das weltberühmte "Bed-in" für den Frieden von John Lennon und Yoko Ono stattfand.


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10.10.14

[ #aktionskunst ] Jeder Mensch ist ein Künstler

Joseph Beuys -»Wahlplakat für die Grünen«
Das zentrale Anliegen von Joseph Beuys war die Erweiterung des tradierten Kunstbegriffs hin zu einer "anthropologischen Kunst", in der der Mensch Mittel- und Ausgangspunkt ist. 

In diesem Zusammenhang entwarf Beuys seinen Begriff von der "sozialen Plastik", der das Wirkungsfeld der Kunst auf alle menschlichen Tätigkeitsbereiche, besonders aber Gesellschaft, Kultur, Politik und Ökologie, ausdehnte. Sein berühmt gewordener, aber meist missverstandener Satz "Jeder Mensch ein Künstler" meint nicht die Einbeziehung der Sonntagsmaler und Laienkunst ("Kunst als Freiraum"), sondern ein ästhetisches Konzept, das Leben und Welt des Menschen als "Werk" auffasst, an dem jeder Mensch mitwirkt ("Kunst als Verwirklichung von Freiheit"). Die Bewusstmachung dieses Prozesses ist Aufgabe der Kunst. Auf das Lebenswerk von Beuys trifft in besonderem Maß der Begriff des Gesamtkunstwerks zu, der aus dem 19. Jahrhundert stammend das Zusammenfließen und -wirken verschiedener Gattungen (bildende Kunst, Musik, Theater, Literatur, aber auch Lebensstil) unter der Regie eines Künstlers oder einer Künstlergruppe bezeichnet.


Soziale Plastik. Joseph Beuys benannte damit eine "völlig neue Kategorie der Kunst". Der Künstler suchte einen "sozialen Kunstbegriff", der den Veränderungen in der Gesellschaft entsprechen sollte – bzw. eine Kunst bezeichnet, die zu notwendigen Veränderungen in der Gesellschaft beitragen sollte. Ausgangspunkt der "sozialen Plastik" ist Beuys’ Beobachtung, dass sich die Menschen immer mehr von ihrem Leben, ihrer Arbeit und von ihrer "Kreativität", was Beuys besonders wichtig war, entfremden. Dieser gesellschaftlichen Situation setzt Beuys die "soziale Plastik" entgegen, die man sich einerseits ganz bildhauerisch vorstellen kann: die Gesellschaft als zu formendes Gebilde. Grenzüberschreitendes Denken, Sprechen und Agieren sind plastische, das Bewusstsein erweiternde Handlungen.


Joseph Beuys sprengt den Skulpturbegriff am radikalsten, indem er Denken, Sprechen und Tun als plastische Handlung begreift und damit das Leben zur "sozialen Plastik" erklärt. In seinen plastischen Bildern versuchte Joseph Beuys Natur, Mythos, Wissenschaft und Alltagsleben eins werden zu lassen. Er hat mit dem Begriff der "Sozialen Plastik" die Kunst um den Wärmebegriff erweitert. Seine Ideen sah er nicht als subjektive Erfindungen, sondern als naturgesetzgleiche Prinzipien im Bereich des sozialen Lebens. Mit der Parteiengründung für "Direkte Demokratie durch Volksabstimmung", der "Freien Universität für Interdisziplinäre Forschung"(FIU) und Projekten wie "7000 Eichen" und "Honigpumpe am Arbeitsplatz" und der Mitgründung der Partei "Die Grünen", setzte Beuys seine Ideen in Praxis um. Die Grünen vermochten allerdings nicht seinen Vorstellungen zu folgen.

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10.7.14

[ #malerei ] Von der ersten Secession zur Kitschindustrie oder Konzeptkunst.

Johann Friedrich Overbeck gilt als die treibende Kraft der Lukasbrüder ("Nazarener"). 

Seine Kunstauffassung ist von tiefer Religiosität geprägt, die ihm in seinem Elternhaus vermittelt worden war. Er machte sein religiöses Gefühl zum Fundament seiner Kunstübung, die Autonomie der Kunst hielt er für einen Irrweg, dem man durch die Rückkehr in die ursprüngliche Abhängigkeit von der Religion begegnen müsse. Overbeck hatte sich zum Ziel gesetzt, das religiöse Bild zu erneuern. Ein Problem, das er dabei zu überwinden hatte, war, einen Ort für seine Bilder zu finden, da von Seiten der Kirchen, der evangelischen wie der katholischen, in der Zeit der Napoleonischen Kriege keine Aufträge zu erwarten waren. Ein Ausweg war in dieser Situation das der persönlichen religiösen Erbauung dienende Andachtsbild.

Durch diese protesthafte Haltung vom weiteren Besuch der Wiener Akademie ausgeschlossen, zog die Gruppe 1810 als so genannte "Lukasbrüder" nach Rom, wo sie nach geraumer Zeit das von Napoleon I. säkularisierte Kloster Sant′Isidoro auf dem Monte Pincio als Unterkunft erhielten. Dort lebten sie in klösterlicher Gemeinschaft als eine Art Mönchsorden, schliefen in den Mönchszellen und malten im Refektorium. Auf diesen Ausgangspunkt beruhend strebten sie als Grundlage ihrer Gemeinschaft auf der menschlichen Seite persönliche Redlichkeit und freundschaftliche Treue, ein hohes Verantwortungsgefühl, Selbstdisziplin und freimütige gegenseitige Kritik auf der arbeitsmäßigen Seite an.

Für sie stand fest, dass Religion und Nationalität die originären Grundpfeiler der Kunst seien und dass die Kunst nicht von diesen getrennt werden könne. Da jedoch die Kunst ihrer Überzeugung nach in Deutschland völlig heruntergekommen war und einer Erneuerung bedurfte, war ihr Ziel die Schaffung einer "religiös-patriotischen" Kunst. Aber nicht die absolute Freiheit wurde erstrebt, wie man vielleicht meinen könnte, sondern man bemühte sich um neue Vorbilder aus der Vergangenheit. In den altdeutschen Meistern wie Dürer, aber auch in den Italienern Perugino, Michelangelo und vor allem Raffael fanden sie ihre künstlerischen Ideale. Im absoluten Mittelpunkt des Kreises standen jedoch Albrecht Dürer und Raffael, letztere galt als Inbegriff des religiösen Künstlers.



Kitschindustrie. Die nazarenische Ästhetik ist durch die endlose Reproduktion entrückter Heiliger und erbaulicher biblischer Szenen hemmungslos der Kitsch-Industrie anheim gefallen. Schwerlich lässt sich die Nachgeschichte von den Ursprüngen trennen, am ehesten noch bei den nichtreligiösen Sujets, vor allem den Freundschaftsbildern. Die jungen Rebellen, die von der Wiener Kunstakademie ausgeschlossen wurden und die erste Sezession der Kunstgeschichte bildeten, haben sich gegenseitig gemalt, gerne in altdeutscher Tracht.

Man macht sich heute viel Mühe, die Nazarener, die ihre weiteste Verbreitung im Kitsch der Andachtsbilder fanden, gar als Vorläufer der Moderne oder eben wieder als modern zu artikulieren. Modern verstanden werden sie nicht nur als die ersten Sezessionisten sondern geradezu als Konzeptkünstler, als Vorläufer von Beuys, die Leben und Kunst vereinen. Und in Zeiten, da der Fundamentalismus bis in die Wirtschaftstheorien Hof hält, da wird dieser Fundamentalismus als Renaissance der Religiosität verharmlost.

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28.4.14

[ #konzeptkunst ] Das interaktive Schachbrett "Reunion".

Das Schachbrett "Reunion", von Lowell Cross konstruiert, hatte elektronische Kontakte, so dass jede Bewegung im Spiel die Klangstruktur eines angebundenen Musikstücks änderte oder eine Diaprojektion auslöste

Mit dem Reunion genannten Schachspiel an jenem 5. März kamen sowohl der soziologische Interaktionsbegriff (Mensch-Mensch) wie der kybernetische (Mensch - Maschine / System) zum Zuge; und es traten zwei Hauptvertreter moderner Kunst auf: Marcel Duchamp, der den Autor- und Werkbegriff unterminiert hatte seit er 1914 im Pariser Kaufhaus Bazar de l’Hôtel de Ville einen Flaschentrockner gekauft und die Ästhetik des Readymade erfunden hatte.


Schach – für Duchamp nicht nur die andere große Leidenschaft neben der Kunst, sondern immer auch deren Metapher; denn Tafelbild und Schachbrett sind gleichermaßen Interface, auf dem sich die interpretierbaren Gedanken des Akteurs manifestieren –, ist zum einen Ausdruck unmittelbarer Interaktion, Zug um Zug, zwischen den beteiligten Spielern. Der andere - John Cage - wirkte seit den 50er Jahren daraufhin, den Künstler vom Sockel zu holen und das Publikum zum Koautor zu machen. Das normale Schach schien ihm weniger zu liegen. Er verlor trotz Springervorgabe anlässlich in Toronto gegen Marcel Duchamp sehr schnell und ging danach auch gegen Teeny Duchamp sang und klanglos unter.


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