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25.8.21

[ #film ] Sergej Eisenstein "Panzerkreuzer Potemkin"


Bild: Arbeiterzeitung vom 1.9.1926

Panzerkreuzer Potemkin ist ein Stummfilm des Regisseurs Sergei Eisenstein aus dem Jahr 1925. Er wurde am 21. Dezember 1925 im Moskauer Bolschoi-Theater als offizieller Jubiläumsfilm zur Feier der Revolution des Jahres 1905 uraufgeführt.

Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt! Nütze auch den Link „[Google Search] ⇒ “. Er liefert allenfalls einen aktuelleren Link im Falle einer Verwaisung und/oder auch zusätzliche oder aktuellere Infos!

 

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21.1.16

[ #film ] Paßgeschichten: Orden statt Aufenthaltsgenehmigung

1994 kehrte der Schauspieler Leon Askin im 87. Lebensjahr aus dem Exil nach Wien zurück. Erst nach einer Berufung erteilte das Innenministerium dem 87jährigen aus Wien stammenden Schauspieler Leon Askin eine Aufenthaltsgenehmigung in Wien. 

Der Magistrat hatte den Antrag eines Formfehlers wegen abgewiesen. Und das einen Monat nachdem der 1938 von den Nazis vertriebene Askin einen hohen Wiener Orden erhalten hatte.



An der österreichischen Grenzstation in Feldkirch wird Askin 1938 noch aus dem Zug geholt und von zwei deutschen Gestapo-Leuten verhört. "Wohin fahren Sie?", schnauzte ihn der eine an. Er hatte ziemliche Angst, es gelang ihm aber ruhig zu antworten: "Nach Hause!" - "Was heißt nach Hause?" schrie der Gestapobeamte. Er zeigte ihm seinen Pass, wo als Wohnort noch immer "3, Rue Dobropol, Paris 16ième" stand.
"Das sind die komischen Zufälle, die einem das Leben retten. Ich bin ein schlamperter Wiener - und Wien hat mir das Leben gerettet - meine schlamperte Wienerei." resümierte darüber Leon Askin in seiner Biografie.
Diese "Schlamperei", seinen Wohnort im Pass nicht zu ändern, dürfte Leon Askin tatsächlich das Leben gerettet haben.

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14.1.16

[ #film ] Papas Kino ist tot.

Oberhausen, ehemals graue Revierstadt, ist seit 1954 zum internationalen "Mekka des Kurzfilms" geworden. 

Was einst als eine Arbeitstagung von Volkshochschul - Mitarbeitern gegen den Schund der Heimatschnulzen in deutschen Kinos begann, ist seit Jahren etabliertes Barometer für den Zustand des Kurzfilms in all seinen Sparten. Dahin auch die Aufbruchstimmung der frühen 60er Jahre, als das "Oberhausener Manifest" 1962 den Beginn des jungen deutschen Films einläutete, der Ausgangspunkt für die heute im Ausland hochangesehene deutsche Spielfilmproduktion wurde.

Auf dem Kurzfilmfestival in Oberhausen geben junge Filmemacher am 28. Februar 1962 eine Erklärung ab, in der sie ihren Glauben an den "Neuen Film" bekunden. Diese Erklärung - das "Oberhausener Manifest" - wurde später provokativ mit dem Slogan "Papas Kino ist tot" übersetzt. Das Manifest liest sich heute völlig unspektakulär.

Heimatfilme wie "Sissi" sind immer wieder gleich gestrickt, besitzen ein Happy End und erzählen von der imaginierten Schönheit Deutschlands und Europas. Indem nur heitere deutsche Filme produziert werden - dies ähnelt der ablenkenden Kriegsproduktion - soll die unmittelbare Vergangenheit verdrängt und auch aus dem Kino gedrängt werden. Nur, was dem Staat gefällt, wird finanziell unterstützt und in die Kinos gebracht.

Die jungen Regisseure jedoch sind nicht mehr gewillt, sich diesen deutschen Produktionsbedingungen zu unterwerfen. Das bedeutet das Todesurteil für Papas Kino, denn die Zukunft wird anders aussehen.



Aus dieser Aufbruchstimmung heraus entstanden einige Jahre später die größten Filme von Wim Wenders und Rainer Werner Fassbinder. Für viele stehen die Auflehnung und die Forderungen der Filmemacher von damals in engem Zusammenhang mit der politischen Protestbewegung in den 1970er Jahren. Und das lange als "rot" verschriene Kurzfilmfestival pflegte intensive Kontakte zum DDR-Film, nahm gegen reaktionäre Zensurbemühungen Stellung und nahm die in den 70-er Jahren erfolgende Ostpolitik der sozialliberalen Koalition vorweg. Als unmittelbare Folge darf auch die Gründung des Kuratoriums Junger Deutscher Film gelten. Diese Stiftung sollte Nachwuchsregisseuren den ersten Spielfilm ermöglichen, sofern sie einen Kurzfilm gedreht hatten, der sich vor einer Fachjury bewährte.

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12.1.16

[ #geschichte ] Deutschland, sag mir, wo die Blumen sind!

Seit dem 9. Juni 1939 ist Marlene Dietrich amerikanische Staatsbürgerin,  ab März 1943 unternimmt sie im Auftrag der United States Entertainment Organization eine dreijährige Tournee zur Truppenbetreuung, teilweise gemeinsam mit ihrer Tochter Maria.  Darüber schreibt sie: "Das war das einzig Wichtige, was ich jemals gemacht habe". 

Mitte 1945 betritt sie seit 1932 zum ersten Mal wieder deutschen Boden. Seit Hitlers Machtergreifung hatte sie Deutschland gemieden und selbst die finanziell verlockendsten Angebote ausgeschlagen, für den nationalsozialistischen Film zu arbeiten. Als sie im November 1945 ihre Mutter in Berlin beerdigt, erklärt sie: "Ich fühlte, dass ich nicht nur meine Mutter zu Grabe getragen hatte, sondern dass es das Deutschland, das ich liebte, für mich nicht mehr gibt."


Angeblich verzeihen die Deutschen ihr dieses Engagement nicht: Nach dem Krieg wurde Marlene Dietrich als Verräterin beschimpft, und während einer Deutschlandtournee 1960 soll sie mit Ablehnung empfangen worden sein. Was wie eine prophetische Sicht und eine zutiefst humane Haltung gesehen werden könnte, wird ihr im Nachkriegsdeutschland angelastet. Die Journalisten berichten über ihren Auftritt im Jahre 1960 in Deutschland, dass ihr, der "Verräterin", eine Welle des Hasses entgegen geschlagen habe. Es kommt wohl zu unwürdigen Diskussionen und Ausschreitungen, so wurde sie von Demonstranten mit Plakaten: "Marlene hau ab!" empfangen. Doch ist dies wohl auch die verkürzte Sicht der Medien und Regenbogenorgane, der Journalisten, die sich in den Nachkriegsjahren nicht mehr gerne ihrer eigenen Verstrickungen erinnern wollen und die nicht unschuldig daran sind, sie als US-Vamp darzustellen.


Die Darstellung von Marlene Dietrich als "US-Vamp" durch die deutschen Medien dient deren eigener Entlastung. Es gereicht zum Ruhme, dass sie trotz Zusicherungen lukrativster Gagen, die ihr Hitler und Goebbels persönlich übermitteln ließen, niemals bereit war, den Nazis als Aushängeschild zu dienen: "Ich sah den Terror und das Unrecht. Ich sah die flüchtenden Juden in New York ankommen. Wir selbst haben viele von ihnen über Mittelsmänner in der Schweiz herausgeschleust."


Als die Emigranten kommen, finden sie bei ihr immer Hilfe und Essen. Als sie in das zerbombte Deutschland an der Seite der Befreier zurückkehrt, tingelt sie monatelang in irgendwelchen Verschlägen – für die Deutschen, versteht sich. Ihre Ablehnung des Dritten Reiches war durchaus politisch motiviert, was sie unter anderem durch ihren aktiven Einsatz als "kulturelle Soldatenbetreuerin" im Zweiten Weltkrieg bewies. Sie war zwar nie eine engagierte Widerständlerin. Wie sollte sie das auch im fernen Amerika geworden sein, aber sie zeigte von Anfang an eine instinktive Abneigung gegen das kulturelle und menschliche Banausentum der Nazis und blieb dieser Einstellung immer treu.

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8.1.16

[ #film ] Zensurrausch.

Der Film "Goldrausch" des "Nichtariers" Charlie Chaplin wird bereits am 8. Jänner 1935 von den deutschen Nazis aus rassischen Gründen verboten. Noch 1926 hatte dagegen das Berliner Premierepublikum als frenetisch klatschendes Publikum ein da capo des Brötchentanzes während der Vorstellung erzwungen.



Der austrofaschistischen Diktatur in Österreich war Charlie Chaplin ebenfalls nicht geheuer. 1936 kam sein Film "Moderne Zeiten" auch in Österreich als "marxistische Propaganda" unter Verdacht und die Zensurbehörden kümmerten sich um ihn.


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18.4.15

[ #film ] Free Movie: Das Cabinet des Dr. Caligari


Der expressionistische Stummfilm gilt als einer der Meilensteine der Filmgeschichte, umso toller die Möglichkeit,  den Film kostenfrei aus dem Web herunterzuladen.

Das Cabinet des Doktor Caligari war der herausragende Film von Robert Wiene des deutschen expressionistischen Kinos der zwanziger Jahre. Eine Traumlandschaft, in der sich schwarzgekleidete Schauspieler fieberhaft durch düstere und irreale Aufbauten jagen. Fritz Lang, der Regie führen sollte, steuerte die Rahmenhandlung bei.

Das Cabinet des Dr. Caligari. Das  ist ein deutscher Horrorfilm von Robert Wiene aus dem Jahr 1920. Von  den Drehbuch-Autoren Carl Mayer und Hans Janowitz war er als  Denunziation der autoritären Tyrannei beabsichtigt, Der  expressionistische Stummfilm gilt als einer der Meilensteine der  Filmgeschichte. Werner Krauss (1884-1959) war einer der führenden  Schauspieler des deutschen expressionistischen Kinos. Er spielte in über  100 Stummfilmen. Conrad Veidt (1893-1943) emigrierte in den dreißiger  Jahren nach Großbritannien und später nach Hollywood. Seine größten  Rollen waren die des Jaffar in Der Dieb von Bagdad (1940) und die des  Major Strasser in Casablanca (1942). Fritz Lang (1890-1976), der  zunächst bei Das Cabinet des Doktor Caligari Regie führen sollte,  steuerte die Rahmenhandlung bei.


Handlung. Die Binnenhandlung dieses expressionistischen Stummfilmklassikers  erzählt die Geschichte des Dr. Caligari, der mit Hilfe eines Somnambulen  namens Cesare eine kleine norddeutsche Stadt in Angst und Schrecken  versetzt. Tagsüber präsentiert Caligari den an einer merkwürdigen,  tranceartigen Krankheit leidenden Cesare auf dem Jahrmarkt. Dort sagt  der hochgewachsene, dürre und blasse Somnambule den Schaulustigen die  Zukunft voraus. Des Nachts aber schleicht dieser Sklave Caligaris durch  die Stadt und begeht unter dem Einfluss seines Herrn furchtbare Morde.  Als eines Nachts ein junger Mann ermordet wird, dem Cesare den nahen Tod  prophezeit hatte, ahnt Francis, ein Freund des Toten, dass Dr. Caligari  mit der Sache zu tun hat.
  
Als Francis' Freundin Jane von  Cesare entführt wird, wird der Verdacht zur Gewissheit. Eine  aufgebrachte Menge macht sich auf die Jagd nach dem flüchtenden Doktor.  In einem Irrenhaus scheint Francis den Schausteller in die Enge  getrieben zu haben, da muss er eine furchtbare Entdeckung machen: Der  wahnsinnige Dr. Caligari ist der Direktor der Anstalt ... Die  Rahmenhandlung schafft die Doppelbödigkeit des Films: Denn Francis, der  die Geschichte von Dr. Caligari erzählte, ist selbst Insasse der  Nervenheilanstalt.

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Drama aus dem Jahre 1919
Deutsche Erstaufführung: 27.02.1920
Länge: 1703m
Land: Deutschland
Produzent: Rudolf Meinert
Regie: Robert Wiene
Drehbuch: Hans Janowitz, Carl Mayer
Kamera: Willy Hameister
Bauten: Walter Reimann, Walter Röhrig, Hermann Warm


Darsteller:
Lil Dagover als Jane
Friedrich Feher als Francis
Werner Krauß als Dr. Caligari
Hans Lanser-Ludolff
Rudolf Lettinger als Drl Olsen
Henri Peters-Arnolds
Ludwig Rex
Hans-Heinrich von Twardowski als Alan
Conrad Veidt als Cesare
Elsa Wagner

23.3.15

[ #film ] Heilige Nutte

Am 4. Juni 1975 kündigte Rainer Werner Fassbinder als künstlerischer Leiter des Theaters am Turm in Frankfurt fristlos. Seiner Produktivität tat dies keinen Abbruch. Obwohl 1982 verstorben, erfolgte noch am 12. August 1995 eine Uraufführung bei den Bregenzer Festspielen. Sein Erstlingswerk "Nur eine Scheibe Brot" war damit das letzte uraufgeführte Stück.


Warnung vor einer heiligen Nutte. In Frankfurt wollte es nicht zu laufen beginnen. Zum einen konnte Fassbinder wohl nicht so arbeiten wie er wollte, schließlich mischte der Träger des Theaters noch mit, zum anderen schien das alternative Mitbestimmungsprojekt, eine "Nach-68-er-Mode" nicht ganz so geschmiert und selbstverständlich zu fahren, wie es theoretisch wohl gedacht war. Eine Erfahrung, die für Fassbinder nicht gänzlich neu war. Schon sein Start in München beim Action-Theater - durchaus schon erfolgreich auch als Regisseur und Theaterautor - führte im Mai 1968 im Zusammenhang mit der Studentenbewegung zur Auflösung des ActionTheaters und Gründung des "antitheaters". Dieses wiederum hatte sich Anfang 1970 aufgelöst. Einen autobiografischen Stempel trägt in diesem Zusammenhang die 1970 entstandene "Warnung vor einer heiligen Nutte", in der er Spannungen und Aggressionen in einem Filmteam thematisiert. Der Psychoterror auf der Leinwand gerät ihm, wie Betroffene erzählen, durchaus realistisch: Auch Fassbinder habe als unberechenbare Diva grausam und zärtlich sein können. Spätestens Anfang der 70er Jahre gilt der Fußballfan, damals Mitte 20, der Kritik entweder als Enfant terrible oder als "Wunderkind" des Neuen Deutschen Films. "Die bitteren Tränen der Petra Kant", das heikle Melodram "Angst essen Seele auf" oder seine präzise Fontane-Verfilmung "Effi Briest" erregen Aufsehen.


Letzte Uraufführung - erstes Theaterstück. Die letzte Uraufführung eines Fassbinderwerkes fand 1995 bei den Bregenzer Festspielen statt. Das Wiener Volkstheater zeichnete für die Uraufführung des Einakters "Nur eine Scheibe Brot" aus dem Jahre 1966 verantwortlich. Das Manuskript hatte Fassbinders Mutter ein Jahr zuvor mit anderen Texten in einem Küchenschrank entdeckt. In zehn Szenen schildert Fassbinder in seinem ersten Theaterstück die Schwierigkeiten des Regisseurs Hans Fricke, der einen Film über Auschwitz drehen soll und nicht weiß, wie er mit dem Thema umgehen soll. Es ist das Debüt des damals 21jährigen Autors. Je mehr sich der Regisseur in diesem Stück in seiner Rolle mit dem Grauen beschäftigt, desto weiter entfernt er sich von Freunden und Verwandten, bis hin zur Trennung von seiner Freundin. Tatsächlich hatte Fassbinder dies bereits 1966 verfilmt und bei einem Dramenwettbewerb der "Jungen Akademie München" dafür den dritten Preis erhalten.

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25.10.14

[ #video ] YouTube killed the Radio Star

Der YouTube-Hype ist noch nicht einmal erahnbar, aber: Am 1.August 1981 startete der US-amerikanische Fernsehsender Music Television (MTV) mit dem programmatischen Song "Video Killed The Radio Star" der Pop-Gruppe "The Buggles" sein Programm. Ein neues Genre war geboren.


Die Videotechnik sollte in der Tat ähnlich tiefgreifende Auswirkungen auf die Popmusikentwicklung haben wie seinerzeit die Single-Schallplatte und das Kofferradio, denen der Rock'n'Roll in nicht geringem Maße seine Existenz verdankte. Der Video-Clip avancierte aber auch zu einer eigenen auf den Biennalen gehandelten Kunstform. Und zwar eine, die sich der Mittel der Musik, der Schauspielerei und der Werbung bedient. Schließlich liegen die unmittelbaren Vorläufer des Clips in den Promotion-Filmen: Die Plattenfirmen beginnen Ende der 60er Jahre damit, für Songs wie etwa Penny Lane von den Beatles eigene Kurzfilme herzustellen.


So muss man gefragte Bands nicht direkt in jede Musiksendung schicken, sondern übermittelt die eigenen Bilder gleich mit der Musik dazu. Eher eine Ironie der Geschichte ist es allerdings, dass ausgerechnet dieser Titel, der das Medium Video mit der Vernichtung musikalischer Kreativität in einer Plastikwelt Orwellscher Prägung assoziierte, geradezu als Symbol für die damit ausgelösten Veränderungen einstehen kann.


"Video Killed The Radio Star" stammt im Original von den Buggles. Hinter diesem britischen Duo verstecken sich der Keyborder Geoffrey Downes sowie der Sänger und Gitarrist Trevor Horn. Die beiden gründen im Sommer 1979 das Studioprojekt Buggles. Der Gruppenname ist ein Kunstwort aus Bug - also Wanze - und den Beatles. Aus der Idee für einen Werbespot entsteht "Video Killed The Radio Star". Im Oktober 1979 führt er die Charts in Großbritannien an. Dazu drehen die beiden Musiker auch ein Video - und das läuft dann am 1. August 1981 zum Sendestart des amerikanischen Musikkanals MTV. Auch die Nachfolgesingle passt ins Konzept: "The Plastic Age" - das Plastik-Zeitalter.

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2.10.14

[ #film ] Reptillienfütterung.

Am 6. Juni 1956 findet die Premiere des Stücks "König Heinrich IV." am Residenztheater in München statt. Hauptdarsteller ist Klaus Kinski. Doch der Funkwagen mit dem Haftbefehl gegen Klaus Kinski ist schon unterwegs. In letzter Minute wird die Verhaftung aufgehoben. Kinski amüsiert sich: Der Staat bezahlt mit Staatsgeldern (aus dem Reptilienfonds) die Finanzstrafe wieder dem Staat.

Ein Reptilienfond ist eine "schwarze Kasse" aus anderweitig aus Haushaltsgeldern abgezweigten Mitteln oder aus vor der Steuer verstecktem Schwarzgeld, die in der Regel zur politischen Einflussnahme oder zur Zahlung von Schmiergeldern benutzt wird und über deren Verwendung keine öffentliche Rechenschaft abgelegt werden muss. Eine Praxis, die bis heute in öffentlichen Haushalten weiterbesteht! Die Bezeichnung ist historisch belegt: Mit Reptilienfond bezeichnete Bismarck seine geheime Kasse, aus der er den Kampf gegen Regimegegner (Reptilien in Bismarcks Sprachgebrauch) finanzierte.


Nach der Annexion Hannovers nimmt Bismarck 1866 den Widerstand des abgesetzten Königs Georg V. zum Anlass, um dessen Privatvermögen zu beschlagnahmen und unter dem Vorwand der Bekämpfung "welfischer Umtriebe" für seine politischen Ziele einzusetzen. Als ihm Anfang 1869 vorgehalten wird, diese und andere Gelder zur Korrumpierung der Presse verwenden zu wollen, bekennt er sich durchaus zu dieser Absicht: "...ich glaube, wir verdienen Ihren Dank, wenn wir uns dazu hergeben, bösartige Reptilien zu verfolgen bis in ihre Höhlen hinein, um zu beobachten, was sie treiben." Bismarck verhöhnt seine Kritiker sogar mit den Worten: "...aber machen Sie uns aus dem bedauerlichen Zwang, daß wir Gelder zu solchen Zwecken verwenden müssen, keinen Vorwurf; probieren Sie erst, ob Sie Pech anfassen können, ohne sich zu besudeln."


Aufgrund dieser Äußerung wird Bismarcks Geheimfond als "Reptilienfond" bekannt. Dabei erfährt Bedeutung "Reptil" allerdings einen Wandel: Die liberalen Kritiker Bismarcks verwenden es als Synonym für kriecherische, regierungshörige Journalisten. Bismarck beklagte sich darüber 1876 im Reichstag mit den Worten: "Wie entstand das Wort Reptil? Ich nannte Reptile die Leute, die im Verborgenen gegen unsere Politik, gegen die Politik des Staates intriguieren. Und nun hat man das Wort umgewendet und nennt Reptile gerade diejenigen, die das aussprechen, was die Regierung will." Aus diesem Reptilien-Fond ist auch Ludwig II. geschmiert worden, Schloss Neuschwanstein ist teilweise auch mit Geldern aus diesem Reptilienfond bezahlt worden. Denn Bismarck musste Ludwig II. auf seine Seite kriegen, damit dieser den berühmten Brief schrieb, damit die deutschen Fürsten Wilhelm I. von Preußen zum deutschen Kaiser vorschlagen.

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11.8.14

[ #geschichte ] Das Filmfestival der Schwarzhemden.

Die Gründungsgeschichte wird so erzählt: Die Filmfestspiele von Venedig verdanken ihre Existenz einer Marketingidee. Graf Volpi gehörte zu Mussolinis Kabinett und um die Touristensaison über den August hinaus zu verlängern und die Eleganz der Lido-Strände bekannter zu machen, eröffnete der Minister am 6. August 1932 gegen 21 Uhr auf der Seeblick-Terrasse des Hotels Excelsior die ersten Lido-Filmfestspiele, die ab 1940 "Mostra internazionale d'arte cinematografica" hießen. Damals gab es keinen Wettbewerb, es wurden keine Preise vergeben. 

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Eine Publikumsjury wählte den besten Regisseur und den vergnüglichsten Film. Graf Volpi war es auch, der trotz seines frommen Amtes als Domprobst von San Marco auch als ihr Schutzpatron agiert hatte, als es einmal wegen lockerer Szenen auf der Leinwand aus Rom Ärger gab.


Die Kulturpolitik des faschistischen Italien hatte (trotz Zensur und Diktatur) vor der deutsch-italienischen Verbrüderung doch noch andere Intentionen denn die der dumpfen deutschgermanischen Nazis: So wurde das erste Festival in Venedig mit Rouben Mamoulians Hollywood-Produktion "Dr. Jekyll and Mr. Hyde" eröffnet, ein Film, der im selben Jahr auch einen Oskar einheimste. Für das zweite Lido-Festival 1934 hatte der faschistische Graf und Domprobst Volpi gar fünfzehn sowjetische Filme an den Lido gebeten.


Zu einer Zeit, da der Eisenstein-Film "Panzerkreuzer Potemkin" bei den Nazis auf dem Index stand, in Vorarlberg selbst noch unter demokratischen Verhältnissen verboten war, spielte er im faschistischen Italien in Venedig. Die Initiativen zur Einrichtung einer "Mostra del cinema" gehen auf den Beginn der dreißiger Jahre zurück, als man verstärkt versuchte, international ein neues Bild von Mussolinis Italien zu schaffen: Nicht mehr als Schwarzhemden, sondern gebildet und kultiviert wollte man erscheinen, und die Periode der Gewaltanwendungen sollte darüber vergessen werden. Die "Mostra del cinema" war ein Statussymbol unter den repräsentativen kulturellen Ambitionen des Regimes und Ausdruck des Willens, Italien durch das Kino in das Zentrum der Weltöffentlichkeit zu stellen.

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8.7.14

[ #literatur ] Regensommer lässt Monster wachsen

Percy Bysshe Shelley  war 1816 - im Jahr ohne Sommer - mit einer erst 17-jährigen in die Schweiz durchgebrannt, der Tochter des Schriftstellers William Goldwin und der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft. Diesem verregnten Sommer verdanken wir ein Monster: Frankenstein!


Der Sommer des Jahres 1816 ist in die Geschichte eingegangen. Es war einer der kältesten seit 400 Jahren. Er hatte aber auch Folgen für die Kultur- und Literaturgeschichte. Diese fielen für die Zeitgenossen natürlich nicht ins Gewicht und waren überhaupt kaum wahrnehmbar. Aber sie erwiesen sich als langlebig und dauern bis heute fort. Den beiden Gespenstern, die im "Jahr ohne Sommer" zum ersten Mal die Bühne der Literatur betraten, stand nämlich eine große Zukunft bevor. Später haben sie auch die Kinoleinwand und den Fernsehbildschirm erobert und gehören inzwischen längst zum Stammpersonal unserer Schreckens- und Schauerphantasien: Frankenstein mit seinem künstlichen Menschen und der blutsaugende Vampir. Beide waren sie Ausgeburten des schlechten Wetters von 1816 - Erfindungen, die aus einem Wettbewerb im Geistergeschichtenschreiben hervorgingen, den damals einer der berühmtesten Dichter Europas im kleinen Kreis der Freunde und Freundinnen in einem von Gewittern umtobten Ferienhaus am Genfer See veranstaltete.


Der Frankenstein-Roman erschien zuerst 1818 und wurde sofort ein großer Erfolg. Bald tauchten die ersten Dramatisierungen auf, und seit 1910 ist kein Jahrzehnt vergangen, in dem der Stoff nicht mindestens einmal verfilmt wurde.

Die Geschichte von der Erschaffung und Belebung eines künstlichen Menschen, übrigens auf rein technisch-wissenschaftlicher Grundlage, ohne Mitwirkung magischer oder göttlicher Kräfte (wie etwa in der jüdischen Sage vom Golem), ist zu einem modernen Mythos geworden und in der Gestalt, die er in unserer Vorstellung angenommen hat, hat sich der Name Frankenstein von dem Schöpfer des Unwesens abgelöst und ist auf dessen Geschöpf übergegangen - so wie sich im Laufe der Zeit auch die Geschichte, je mehr sie Mythos wurde, von ihrer Verfasserin abgelöst hat.


Mancher, dem die Frankenstein-Geschichte gut vertraut ist, hat von Mary Shelley vielleicht noch nie gehört, geschweige denn von den außergewöhnlichen meteorologischen Umständen, unter denen ihr Roman entstand und von denen er in einigen charakteristischen Zügen deutlich geprägt wurde. Die Szenerie, in der Mary Shelley die entscheidenden Abschnitte ihrer Gespenstergeschichte ansiedelt, ist die von Gewittern durchtobte, regengepeitschte alpine Umgebung des Genfer Sees. Und vielleicht verlieh die blitzerfüllte Atmosphäre des verdorbenen Sommers von 1816 der Vorstellung, Leben lasse sich in toten Gliedmaßen durch "galvanische Experimente", durch elektrochemische Verfahren erneuern, eine besondere Plausibilität. In einigen Frankenstein-Filmen ist es sogar die Energie der Blitze selbst, mit der der zusammengestückte Körper des Monstrums zum Leben erweckt wird.


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26.6.14

[ #geschichte ] Das Glück und Gelöbnis des Asylwerbers: Bernadette

Die Machtergreifung der Nazis und die Verbrennung auch seiner Werke zwang Franz Werfel mit Alma ins Exil. 

Ab 1933 sah er im Weltgeschehen mehr und mehr das Katastrophale, verfiel zusehends in Pessimismus und setzte als Ersatz für eine gesellschaftliche Perspektive religiöse und mythische Leitbilder. Am 27. Juni 1940 auf der Flucht vor dem vorrückenden deutschen Militär in Lourdes gestrandet, beschäftigte sich Franz Werfel mit der Lokalgeschichte der heilig gesprochenen Bernadette Soubirous. Er gelobte, einen Roman über sie zu schreiben, falls ihm die Flucht nach Amerika gelinge.

Aus diesem Vorsatz wurde "Das Lied von Bernadette", ein Roman, der später in Hollywood erfolgreich verfilmt wurde. Henry Kings stark besetzte, preisgekrönte Filmbiographie mit Jennifer Jones, Vincent Price und Lee J. Cobb, wurde mit vier Oscars ausgezeichnet. Jennifer Jones erhielt für ihr grandioses Filmdebut den Oscar als beste Schauspielerin. Das Werk seines Gelübdes, der Roman "Das Lied von Bernadette" wird beim Verlag Bermann-Fischer in Stockholm und beim Verlag Hamilton in London veröffentlicht. Die Realisierung des Romans ist nicht nur die Erfüllung eines bei der Flucht aus Frankreich 1940 abgelegten Gelübdes sondern erleichterte den Start in der Neuen Welt: In den USA wurde der Roman so erfolgreich verkauft, dass Werfel sich in Beverly Hills ein Haus kaufen konnte.

Alma Mahler-Werfel verließ Wien mit ihrer Tochter fluchtartig, fuhr zuerst nach Prag und dann nach Mailand, wo sie sich mit ihrem verzweifelten Mann traf. Von dort fuhren sie nach Zürich zu Werfels Schwester, dann nach Paris. Ende 1939 überlegen die Werfels, im Besitz eines Visums, in die USA auszureisen, entschließen sich aber das erst dann zu tun, wenn kein Rettungsweg mehr übrig ist oder Krieg ausbricht. Nachdem Hitler am 1. September 1939 den Einmarsch in Polen befiehlt, erklären Frankreich und England Deutschland den Krieg. Mitte September 1939 meldet sich Werfel freiwillig zur tschechoslowakischen Legion, wird aber im Dezember 1939 vom Regimentsarzt als kriegsuntauglich erklärt. Die Werfels leben nun in einem Pariser Hotel in ständiger Angst vor Bombenangriffen und mit dem deutschen Überfall auf Frankreich. Zwischenzeitlich ist das USA-Visum verfallen und die Werfels versuchen die nächsten Wochen verzweifelt, ein neues zu bekommen.


Anfang Juni 1940 marschiert Hitler in Frankreich ein und erobert ohne nennenswerten Widerstand am 14. Juni 1940 Paris. Die Werfels flüchten nun Richtung Spanien und machen sich auf den Weg nach Bordeaux – Biarritz, Bayonne – Hendaye St. Jean-de-Luz. Als die deutschen Truppen an demselben Tag wie die Werfels die Grenzstädte zu Spanien erreichen, flüchten sie weiter nach Pau – der Pyrenäenhauptstadt und von dort aus nach Lourdes, wo sie am 27. Juni 1940 eintreffen. Fünf Wochen bleiben sie in Lourdes und Anfang August erhalten sie Passierscheine zurück nach Marseille. Dort wohnen sie unter falschem Namen und erhielten nach einer persönlichen Intervention des amerikanischen Außenministers Hull Durchreisebewilligungen für Spanien und Portugal sowie das Visum für die USA.

Ein erster Fluchtversuch per Boot nach Nordafrika scheitert. Die aus den Werfels, Nelly und Lion Feuchtwanger, Golo Mann und Heinrich Mann bestehende Flüchtlingsgruppe darf auch die Grenze nach Spanien, wegen fehlenden Visas, nicht passieren. Es wird stündlich damit gerechnet, dass Flüchtlinge beim Versuch des Grenzübergangs verhaftet werden. So bleibt am 13. September 1940 nur noch die beschwerliche Flucht mit Heinrich Mann zu Fuß über die Pyrenäen. Ein Monat später erreicht Franz Werfel an Bord des Dampfers "Nea Hellas" den Hafen in New Jersey und somit sein Exil in den USA. Im selben Jahr wurde Alma Mahlers geistig behinderte Schwester Grete von den Nazis ermordet.

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9.6.14

[ #film ] Vorarlberger Zensurgeschichte.

In Österreich gab es nach dem Ersten Weltkrieg im Vergleich zu Deutschland weit weniger Aufsehen um den Film "Panzerkreuzer Potemkin" von  Sergej Michailovich Eisenstein. 

In Wien wurde der Film zwar mit einem Jugendverbot belegt, er konnte aber sonst ohne weitere Einschränkung vorgeführt werden. Anders im Bundesland Vorarlberg, das unter derselben Verfassung lebte. Die Vorführung des Films wurde vom Landeshauptmann wegen "subversiver Tendenzen" untersagt.


Otto Ender wird der Nachwelt gerne als ein Föderalist und Demokrat verkauft. Aber allein die Schaffung der austrofaschistischen 1934er Verfassung durch Ender, welche die Beseitigung der Demokratie in Österreich und die austrofaschistische Terrorherrschaft legitimieren sollte, belegt das Gegenteil. Dafür wurde er übrigens von Dollfuß mit dem in jeder Diktatur arbeitslosen Posten des Rechnungshofpräsidenten entlohnt.



Die junge österreichische Erste Republik kannte 1926 keine Zensur mehr. In Österreich galt seit dem 30. Oktober 1918 jegliche Zensur als aufgehoben. Dieser Beschluss wurde 1920 ausdrücklich in die Bundesverfassung übernommen. Trotzdem setzte sich der Vorarlberger Landeshauptmann und Heimwehrführer Otto Ender über die demokratischste Verfassung, die Österreich bis dahin hatte, einfach hinweg und untersagte die Vorführung des Films. Er scherte sich schon damals - ein ausgebildeter Jurist - einen Dreck um Recht und die Verfassung.


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