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10.10.14

[ #jazz ] Tiger Rag

Am 15. Januar 1920 kommt die erste deutsche Jazz- Schallplatte auf den Markt: der Tiger Rag, aufgenommen von der "Original Excentric Band" in London am 12.12.1919. (Masseltop Kappelle), Bandleader: F Groudzell: "Tiger Rag" Homochord 15984. Erst 1919 hatte sich die Band als "Jazzensemble" geoutet.



Der Tiger Rag ist ein Song des frühen Jazz. Als Komponist des Stückes, das 1917 veröffentlicht wurde, ist der Trompeter Nick LaRocca eingetragen; der Text stammt von Harry DeCosta. Das Stück, das auf einem der ersten Tonträger des Jazz aufgenommen wurde, entwickelte sich rasch zum Jazzstandard und wird, insbesondere im Dixieland Jazz, bis heute häufig gespielt. Es ist vermutlich der bekannteste Jazztitel. An sich ist der  "Tiger Rag" also eine der populärsten Nummern im alten Jazz. Ob die Komposition wirklich von Nick La Rocca stammt, gilt trotzdem nicht ganz sicher.

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28.9.14

[ #jazz ] Religionenumspannende Kirchenmusik: "A Love Supreme"

Coltrane-Church - San Francisco
"A Love Supreme", John Coltranes Jahrhundertwerk, der Maßstab für die utopische Kraft von Musik, ein Werk von 33 Minuten Dauer, wurde am 9. Juli 1964 zwischen 20 Uhr und Mitternacht aufgenommen. Als Dank und Reverenz an die göttliche Macht. Der Aufnahmeleiter soll Kerzen aufgestellt haben.

Schon seit den fünfziger Jahren wandten sich auch immer mehr schwarze Musiker vom Christentum ab, das sie als "weiße" Religion empfanden. Im Islam fanden sie eine Religion, die ihnen verwandter erschien. Viele Musiker nahmen islamische Namen an: zum Beispiel Shafi Hadi, Rahsaan Roland Kirk, und Art Blakey nannte sich nun Abdullah Ibn Buhaina.

Später, im Lauf der sechziger Jahre, bekannten sich viele Musiker auch zu buddhistischer und hinduistischer Religion. Allgemein war eine Tendenz zu Synthesen verschiedener Religionen zu verzeichnen. Diese "Neue Religiosität" war für die Musik insofern relevant, als sich die Musiker diesen Kulturen auch auf musikalischem Weg näherten. Schon der Hardbop besann sich stark auf die afrikanischen Ursprünge des Jazz zurück und holte sich erstmals seine Anregungen direkt aus Afrika. Viele Platten dieser Zeit beziehen sich auf die Musik Afrikas (z. B. Coltranes Platten "Dial Africa" und "Afro Blue Impressions" oder Art Blakeys Platte "The african beat", auf der etwa ein halbes Dutzend Schlagzeuger zusammenspielen). Der Freejazz in seinem ungestümen Experimentierwillen entdeckte zunächst die Musik Indiens, bald aber die unterschiedlichsten Musikkulturen auf der ganzen Erde. Exotische Instrumente bereicherten die Klangpalette, der indische Sitar beispielsweise wurde für Jahre ein Modeinstrument.

Es scheint, dass christliche Religiosität eine verhältnismäßig geringe Rolle spielte. Gar zu viele dieser jungen Musiker waren auch in jener Perversion christlicher Lehre aufgewachsen, deren Reizworte Sünde, Tod, Leiden lauten. Das "Love Supreme" - das jazzmusikalische Hauptwerk der ganzen Bewegung - ist zwar auch von der kosmischen Alles-ist-Eins-Religiosität des Buddhismus und Hinduismus inspiriert, aber der persönliche Gott des Christentums scheint an zahlreichen Stellen des Textes unmissverständlich durch.


Auszugsweise heißt es in diesem "gift to god":

"Ich will alles tun, was ich kann,
um Deiner, Oh Herr, wert zu sein.
Alles, was ist, hat mit Dir zu tun,
Danke Dir, Gott.
Gott ist. Er war seit je.
Er wird immer sein.
Worte, Klänge, Sprache, Menschen, Erinnerung,
Gedanken, Angst, Zeit:
Es ist alles miteinander verwandt ...
Es ist alles durch Einen gemacht,
Alles in Einem gemacht, -
Gesegnet sei Dein Name.
Gedankenwellen - Herzwellen - alle Schwingungen -
alle Wege führen zu Gott. Danke Dir, Gott.
Die Tatsache schon, dass wir existieren,
ist Beweis Deiner Gegenwart, oh Herr.
Gott atmet durch uns so vollständig -
Und doch so zart, dass wir es kaum fühlen.
Er ist alles, was wir sind.
Danke Dir, Gott ...
Mögen wir niemals vergessen,
Auch im Sonnenschein unseres Lebens,
im Sturm und im Regen:
Überall ist Gott.
Er ist auf allen Wegen und immer da.
Alles Lob sei Dir, oh Gott.
Danke Dir, Gott, Amen."

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2.7.14

[ #jazz ] Ein neues Jahrhundert startet mit einem Feuerwerksbaby

Louis "Satchmo" Armstrong  verklärte: "Es war ein von Raketen krachender 4. Juli, an dem ich zur Welt kam, und man nannte mich Feuerwerksbaby". 

Der "Satchmo"-Biograf Gary Giddins grub bereits 1988 das Taufregister des Gotteshauses "Sacred Heart of Jesus Christ" aus, wo in lateinischer Kirchensprache vermerkt ist: "Armstrong (niger, illegitimus). Am 25. August taufte ich Louis, geboren am 4. August 1901, Eltern: William Armstrong und Mary Albert".

Der 4. Juli scheint aufs erste ein häufiger Geburtstag unter Amerikas farbiger Jazz-Bevölkerung zu sein: Alton Purnell, der Jazz-Pianist aus New Orleans, der Posaunist Louis Nelson, der Blues-Songwriter Pleasent Joseph (Cousin Joe), der Blues-Pianist, auch bekannt als "the Honeydripper" Roosevelt Sykes, der Pianist Eureal "Little Brother" Montgomery, der große Klarinettist aus New Orleans, Albert Nicholas, der Komponist Thomas Jefferson Anderson jr. oder etwa der Gittarist und Bluessänger Robert Pete Williams geben angeblich den 4. Juli als ihren Geburtstag an.


Sie alle haben vier Dinge gemeinsam: Sie sind schwarz, Jazzer, kommen aus Amerikas Süden und sind vor 1929 geboren. Das liegt nicht etwa daran, dass im Oktober allgemeine Lusttage in den Staaten stattfinden, sondern einfach daran, dass in diesen Zeiten keinerlei Aufzeichnungen über Geburten der farbigen Bevölkerung gemacht worden sind. Und wenn dann so ein nicht Erfasster eine Card beantragte, so wurde er auch nach seinem Geburtsdatum gefragt. Antwort: der 4. Juli. Indem sie sich auf den 4. Juli als Geburtsdatum beriefen, demonstrierten sie auch, dass sie sich voller Stolz mit einem Land und einer Region identifizierten, die mit ihresgleichen eigentlich nichts zu schaffen haben wollten.

Warum aber machte sich Satchmo noch dazu um ein Jahr älter? 

Ende 1918 ging er mit der 21-jährigen Prostituierten Daisy Parker die erste seiner insgesamt vier Ehen ein. Und dazu wollte der 1901 Geborene unbedingt volljährig sein. Also machte sich Armstrong um genau ein Jahr und einen Monat älter: so wurde der 4. Juli 1900 kreiert. Und plötzlich hatte er symbolträchtig am (ersten) Nationalfeiertag im neuen Jahrhundert Geburtstag. Der "Independence Day" (Unabhängigkeitstag) wird als "Geburtstag" der Vereinigten Staaten als freie und unabhängige Nation gefeiert. Dieser Tag erinnert an die Unterzeichung der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776.

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