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11.8.14

[ #geschichte ] Das Filmfestival der Schwarzhemden.

Die Gründungsgeschichte wird so erzählt: Die Filmfestspiele von Venedig verdanken ihre Existenz einer Marketingidee. Graf Volpi gehörte zu Mussolinis Kabinett und um die Touristensaison über den August hinaus zu verlängern und die Eleganz der Lido-Strände bekannter zu machen, eröffnete der Minister am 6. August 1932 gegen 21 Uhr auf der Seeblick-Terrasse des Hotels Excelsior die ersten Lido-Filmfestspiele, die ab 1940 "Mostra internazionale d'arte cinematografica" hießen. Damals gab es keinen Wettbewerb, es wurden keine Preise vergeben. 

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Eine Publikumsjury wählte den besten Regisseur und den vergnüglichsten Film. Graf Volpi war es auch, der trotz seines frommen Amtes als Domprobst von San Marco auch als ihr Schutzpatron agiert hatte, als es einmal wegen lockerer Szenen auf der Leinwand aus Rom Ärger gab.


Die Kulturpolitik des faschistischen Italien hatte (trotz Zensur und Diktatur) vor der deutsch-italienischen Verbrüderung doch noch andere Intentionen denn die der dumpfen deutschgermanischen Nazis: So wurde das erste Festival in Venedig mit Rouben Mamoulians Hollywood-Produktion "Dr. Jekyll and Mr. Hyde" eröffnet, ein Film, der im selben Jahr auch einen Oskar einheimste. Für das zweite Lido-Festival 1934 hatte der faschistische Graf und Domprobst Volpi gar fünfzehn sowjetische Filme an den Lido gebeten.


Zu einer Zeit, da der Eisenstein-Film "Panzerkreuzer Potemkin" bei den Nazis auf dem Index stand, in Vorarlberg selbst noch unter demokratischen Verhältnissen verboten war, spielte er im faschistischen Italien in Venedig. Die Initiativen zur Einrichtung einer "Mostra del cinema" gehen auf den Beginn der dreißiger Jahre zurück, als man verstärkt versuchte, international ein neues Bild von Mussolinis Italien zu schaffen: Nicht mehr als Schwarzhemden, sondern gebildet und kultiviert wollte man erscheinen, und die Periode der Gewaltanwendungen sollte darüber vergessen werden. Die "Mostra del cinema" war ein Statussymbol unter den repräsentativen kulturellen Ambitionen des Regimes und Ausdruck des Willens, Italien durch das Kino in das Zentrum der Weltöffentlichkeit zu stellen.

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31.7.14

[ #festspiele ] Deutsche Kunst: Lazarettspiele.

Uneingeschränkter Regiestar und gleichzeitig Symbolfigur der 1920 gegründeten Salzburger Festspiele sollte bis in das Jahr 1937 der Regisseur und Theaterbesitzer Max Reinhardt sein. 

Nach einer kurzen Schauspielkarriere gelangte der als Max Goldmann 1873 in Baden bei Wien geborene Sohn eines jüdischen Textilhändlers durch die künstlerische Leitung mehrerer Berliner Bühnen zu immensem Ruhm; am Ende des Ersten Weltkrieges zog es den gebürtigen Österreicher jedoch wieder in seine alte Heimat zurück, wo er seit Beginn des Jahrhunderts Freilichtfestspiele zu realisieren gedachte.


Max Reinhardt war in Salzburg nie unangefochten. Seit seinen ersten Auftritten in dieser Stadt attackierten ihn antisemitische Journalisten in lokalen Hetzblättern wie "Der Eiserne Besen" oder "Volksruf". Ersteres platzierte am 30. Oktober 1925 folgende Polemik gegen Reinhardts Immobilienkäufe: "Da nun der semitische Egoismus und Machtdünkel keine Grenze kennt, will der jüdische Schlossherr von Leopoldskron noch den dortselbst vorhandenen Weiher in seinen Besitz bringen und diesen samt dem Schloss mit einer hohen Mauer umgeben, damit sich Juda und seine Trabanten eine unsichtbare Tummelstätte schaffen können."


Immer wieder richteten sich diese Angriffe gegen Max Reinhardt als Schlossbesitzer, gegen den Juden Reinhardt, seinen katholisch-konservativen Lebensstil und gegen seine Festspieltätigkeit. Die Agitation gegen den Regisseur ging so weit, dass nach dem Verbot der Österreichischen Nationalsozialistischen Partei illegale Aktivisten am 6. Juni 1934 Böller in die Eingangshalle von Schloss Leopoldskron warfen und sowohl die Eingangstür als auch den Marmorboden in der Empfangshalle schwer beschädigten.


Deutsche Kunst: Lazarettspiele. Seit dem "Anschluss" Österreichs 1938 durften viele der Künstler, die das Festival in den Jahren zuvor geprägt hatten, man denke nur an Max Reinhardt, Bruno Walter oder Arturo Toscanini, nicht mehr auftreten. Die Werke des Festspielgründers Hugo von Hofmannsthal, allen voran der "Jedermann" - nicht aber die Strauss-Opern mit Hofmannsthalschen Libretti - wurden ebenso vom Spielplan verbannt wie Reinhardts spektakulärer Faust in der Felsenreitschule. Wie für viele andere kulturellen Veranstaltungen bedeutete die Nazizeit für die Festspiele nicht das Aus. Schwere Einschnitte mussten jedoch hingenommen werden. Eine "deutsche Kunst" beherrschte von da an die Festspiele und selbst Hitler besuchte sie 1939 einige Monate vor Kriegsbeginn. Nach Ausbruch des Weltkriegs jedoch wurden die Aufführungen hauptsächlich von beurlaubten oder verwundeten Soldaten besucht. Die Moral an der Heimatfront sollte gestärkt werden.


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