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4.9.14

[ #literatur ] Der Citoyen: Ich klage an!

Porträt des Émile Zola von Édouard Manet
Emile Zola verstand sich immer als politischer Autor und arbeitete nebenher für Tageszeitungen, die unter der Repression Napoleons III. wie unter dem Regime der verängstigten Bourgeoisie der Dritten Republik freilich mehr "Klatschblätter" waren als Organe für "Freiheit und Recht" (Zola).

 J'accuse. Eine neue Qualität erhielt diese Nebentätigkeit mit dem Aufruf "J'accuse"("Ich klage an"), denn ohne seinen offenen Brief vom 13. Januar 1898 an den Präsidenten der Republik hätte es die Dreyfus-Affäre, die die Republik verwandelte, und den Begriff und die Figur des eingreifenden Intellektuellen, nicht gegeben. Zola denunzierte vor allem die antisemitische Kampagne gegen den Offizier als "gesellschaftliches Verbrechen". Und er nannte die Namen der Verantwortlichen: fünf Generäle, drei gefällige Experten, das Pressebüro des Ministeriums und das Kriegsgericht. Das reichte für eine Verleumdungsklage und für die Verurteilung Zolas zur Höchststrafe von einem Jahr Gefängnis. Der Haft entging er durch die Flucht nach England, wo er an dem Zyklus "Die vier Evangelien" arbeitet. Aber fortan findet der Prozess Dreyfus vor der breiten Öffentlichkeit statt.


Zolas Rückkehr aus England war allerdings kein Triumphzug, die erreichte Revision des Dreyfus-Prozesses war auch kein wirklicher Sieg der Gerechtigkeit. Dreyfus wird erneut verurteilt und erst anschließend begnadigt. Dreyfus hat die Begnadigung nur unter der Voraussetzung angenommen, dass er damit das Urteil nicht anerkennt. Auch das Verfahren gegen Zola gewährt keine Genugtuung, weil es immer wieder verschoben wird, bis es sich erübrigt hat. Weihnachten 1900 spricht man die Amnestie aller Beteiligten aus, um sozialen Frieden wiederherzustellen, sorgt aber damit nur dafür, dass die widerstreitenden Parteien sich beide im Recht fühlen können und immer weiter miteinander ringen.

Emile Zola stirbt am 29. September 1902 in Paris an einer Kohlenmonoxidvergiftung wegen eines nicht funktionierenden Kaminabzugs. Über die Umstände seines Todes kursieren natürlich Gerüchte. Sein Leichnam wird 1908 im Panthéon, der nationalen Gedenkstätte für bedeutende Franzosen, beigesetzt.

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7.6.14

[ #citoyen ] Das Salz des aufrechten Ganges

1930 startet Mahatma Gandhi eine Kampagne des zivilen Ungehorsams und ruft zum Salzmarsch gegen das britische Salzmonopol auf. 

Die britische Regierung reagiert hilflos auf die perfekt inszenierte Kampagne. Als Gandhi schließlich eine Handvoll Salzkristalle vom Strand aufhebt, waten ab da Menschen mit Pfannen ins Meer und gewinnen dem kolonialen Regierungsverbot zum Trotz das wertvolle Mineral. Über 60.000 Menschen werden verhaftet. Gandhi agitiert im Gefängnis weiter. Mit einem Hungerstreik kämpft er für die Rechte der "Parias" ("Unberührbare"), Indiens niedrigste Kaste. Als die Briten ihn vorzeitig entlassen und ihn zu einer Konferenz über die Unabhängigkeit Indiens einladen, erscheint Gandhi in London in Sandalen und Lendenschurz. Die Gespräche bleiben ergebnislos.


In Indien setzt sich Gandhi für ein friedliches Miteinander von Hindus und Muslimen ein. Doch als die Briten den indischen Subkontinent nach dem Zweiten Weltkrieg in die Unabhängigkeit entlassen, teilen sie ihn in zwei Staaten: die mehrheitlich hinduistische Indische Union und die muslimische Republik Pakistan. Es kommt zu Massakern und großen Fluchtbewegungen: Moslems verlassen Indien, Hindus fliehen aus den Gebieten des heutigen Pakistan und Bangladesh. Gandhi versucht, die Gewalt mit seiner moralischen Autorität zu beenden. Wieder tritt er in den Hungerstreik. Auf die Nachricht vom drohenden Tod ihres Idols reagieren die Massen. Gemeinsame Prozessionen von Hindus und Muslimen erscheinen an seinem Lager. Doch dann wird im Januar 1948 auf sein Haus ein Bombenanschlag verübt. Zehn Tage später wird Gandhi am 30. Januar im Alter von 79 Jahren von einem fanatischen Hindu erschossen. Hunderttausende nehmen an der Bestattung von Gandhis Asche in den Fluten des Ganges teil.

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